Selbstfindung im Ausnahmezustand

Filmkritik: Michael Pekler Joachim Schätz | Feuilleton | aus FALTER 51/12 vom 19.12.2012

Verschollen im Ozean, vom Fluss überflutet: neue Wasserepen von Ang Lee und Benh Zeitlin

Ich wurde auf einer kalten, dunklen Welle geboren, die sich hoch auftürmte, um dann in die Tiefe zu stürzen“, heißt es in Daniel Woodrells Roman "Woe to Live On“, einer Geschichte aus dem Amerikanischen Bürgerkrieg, die Ang Lee verfilmt hat. Das Bild von der Geburt des Helden mitten auf dem Ozean passt nicht nur großartig zur Biografie des in Taiwan geborenen und nach Amerika ausgewanderten Lee als Grenzgänger zwischen Ost und West, sondern auch zu fast allen Protagonisten seiner Filmerzählungen: Was den in die Jahre gekommenen Schwertkämpfer in "Crouching Tiger, Hidden Dragon“ mit den schwulen Schafhirten in "Brokeback Mountain“ verbindet, ist ein Leben in Heimatlosigkeit.

Selbstfindung im Ausnahmezustand ist somit eines der zentralen Motive im Werk Lees, was den Abenteuerroman "Life of Pi“ des kanadischen Autors Yann Martel für ihn besonders interessant gemacht haben dürfte. Martel

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