Stadtrand Urbanismuskolumne

Weihnachtswunder: Die Zustellerin lacht

Stadtleben | aus FALTER 51/12 vom 19.12.2012

Am Abend wird der Faule fleißig, heißt es. Zum Jahresende werden Grumpige freundlich. Zum Beispiel die Postzustellerin, die nie grüßt, wenn sie mit Morgenwut Mahnungen und Reklame in Briefkästen pfeffert. Vor ein paar Tagen fand sich zwischen Mahnungen und Reklame ein buntes Bildchen. Darauf zu sehen war die Postzustellerin als Weihnachtsfrau verkleidet. Und sie lachte. Nämlich ziemlich breit. Sie lachte und wünschte frohe Weihnachten. Wenig später läutete es Sturm, und genau diese Weihnachtsfrau brachte gewohnt grumpig, aber immerhin höchstpersönlich ein Päckchen vorbei. Dafür erhielt sie eine kleine Feiertagsgratifikation, fromme Wünsche und eine persönliche Ansprache (sie hatte ihren Namen, den Familiennamen zuerst, auf die farbkopierte Karte geschrieben). Was nun folgte, darf man getrost als Weihnachtswunder bezeichnen: Die Postzustellerin lachte aus vollem Herzen. So überrascht und erfreut schien sie, dass man ihren Namen kannte.

Der stets freundliche Rauchfangkehrer hat übrigens auch vorbeigeschaut. Leider hat er seine Visitenkarte nicht dagelassen.


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