Fragen Sie Frau Andrea

Wünsche an die Jahresendpersonen

Kolumnen | aus FALTER 51/12 vom 19.12.2012

Liebe Fragende!

Das erste Jahrdutzend der Zweitausender senkt sein müdes Haupt, die Krise hat weiße Strähnen in seinem Haar hinterlassen und tiefe Falten in seiner Stirn. Meteorologischer Nebel liegt über dem geistigen, Punschkranke sitzen im sportlich-utilitaren Kraftwagen, in der Bim und in der U, sie miachteln streng. Nach Tschik und Angst und Seelennässe. Verloren studieren sie Kontoauszüge und Kassenbelege. Noch gibt es welche. Auf den schlotternden Knien der Berstenden lastet schwer der Kleingeschenke Segen für die Lieben daheim und die Kollegen in den rauchigen Bureaus der kreditverklemmten Unternehmen. Die Krise bläst durch alle Ritzen. Bevor die Welt untergeht, kommen die Geschenke. Und die Wünsche.

Am Ende des Falter’schen Dienstjahres richtet sich Frau Andrea mit einer kleinen Wunschliste an das Salzamt. Wie heißt es bei Cahon: "Von nichts kommt nichts, und nur von etwas kommt noch etwas.“ Im Salzamt haben sich zur Entgegennahme meiner Jahresliste wieder drei Herrschaften eingefunden: die junge Dame im goldenen Engelskleid, blond die Locken, die Krone in ein Märchen von Haar gesteckt. Der dicke Alte mit dem pigmentlosen Bart, rot und weiß das Wams, ho, ho, ho sein Ruf. Und der elegante Herr im englischen Tuch, genagelt die Schuhe, penhaligongetränkt die Wangen, konfettibestäubt die Büste. Die letzte Kolumne des Jahres richtet sich traditionell mit einer Liste von Wünschen an diese drei Herrschaften.

Liebes Christkind, lieber Weihnachtsmann, sehr geehrte Jahresendperson! Ich spreche zu euch mit Karl, dem großen Farkas: "Die Optimisten leiden, ohne zu klagen, die Pessimisten klagen, ohne zu leiden.“ Ihr drei seid nicht so machtlos, wie ihr tut. Macht euch los von eurem Tun, lasst 2013 in Erfüllung gehen:

1. Die Wiedereinführung der Zukunft. 2. Die Restauration der Visionen.

3. Einen Rettungsschirm für die Menschen.

4. Die Umverteilung von oben nach unten.

5. Trennung von Kirche und Staat.

6. Trennung von Staat und Bosheit.

7. Ein Musikgedudelverbot in Gaststätten und Geschäften.

8. Das Zigarettenrauchverbot.

9. Die Einführung von 24-Stunden-Delis nach New Yorker Vorbild.

10. Die Wiedereinführung von 13A-Doppelstockbussen.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige