Vor 20 Jahren im Falter Wie wir wurden, was wir waren

Rechter Rand

Wir über uns | aus FALTER 02/13 vom 09.01.2013

Die Haslinger-Broda-Debatte, die schon einen Brief des Nationalratspräsidenten Heinz Fischer provoziert hatte, schlug auch Wochen nach der Veröffentlichung Wellen. Die gesamte Leserbriefseite war voll mit Verteidigern Christian Brodas; der Autor Josef Haslinger wies darauf hin, dass der Falter durch Titelgebung ("braune Schatten“) dem Ganzen einen unerwünschten Spin gegeben habe, die Redaktion schrieb, sie habe nur hervorgehoben, was im Text stecke, und Brodas langjähriger Mitarbeiter Michael Neider schrieb in einem zwei Seiten langen Text, es sei überhaupt nichts dran an Haslingers Vorwürfen.

Resümierend kann man sagen, die Geschichte lässt sich nicht resümieren. Brodas Verhältnis zum Nationalsozialismus war gewiss untadelig; Haslinger hatte manches überspitzt, der Falter war mit dem Titel zu weit gegangen, aber die Merkwürdigkeit, dass Brodas 1940 erschienene Dissertation an der UB nicht auszuleihen und an der NB nicht vorhanden war, blieb ebenfalls bestehen. History, history! We fools … (William Carlos Williams).

Dass solche Episoden in den Waldheim-Jahren nicht ohne Eifer und Zorn untersucht werden konnten, versteht sich fast von selbst; dass der Falter ihr damals zweimal mehr als die Hälfte seines Politikteils einräumte, schon weniger.

Sonst kümmerte sich der Politikteil um ein Großbauprojekt der Stadt, bei dem nicht nur Wohnungen, sondern auch Parkplätze vorgesehen waren, und das in Simmering! Sowie um einen Stadtförster, um Drogenprobleme und um Deserteure.

War da nicht noch was? Genau. Das Anti-Ausländer-Volksbegehren der FPÖ und der Protest dagegen. Peter Pelinka reflektierte in seinem Kommentar über die "Grenzen des Ausgrenzens“; er hatte es abgelehnt, an einer Diskussionsrunde der FPÖ zu deren Volksbegehren teilzunehmen. Letzter ausschlaggebender Grund dafür war ein Brief der damaligen Haider-Sekretärin Susanne Riess gewesen, in dem sie versucht hatte, den auch bei der Hamburger Wochenzeitung Die Zeit tätigen Pelinka dort zu denunzieren. AT


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