Meinesgleichen Neues Jahr, neue Initialen

Falter & Meinung | aus FALTER 02/13 vom 09.01.2013

Da ich genau weiß, mit welcher Sympathie mein Publikum jede typografische Neuerung weniger verfolgt als begrüßt, kann ich nicht anders, als ihm die neuen Initialen meiner Kolumne freudig vorzustellen. Ich gebe zu, mit der alten Fraktur war ich genauso wie Art-Director Dirk Merbach nie ganz zufrieden gewesen. Aber das Ungenügen ließ sich gerade noch aushalten. Jetzt ist es genug. Neue, elaboriertere Initialen prägen das Bild dieser Seite. Die ihnen zugrunde liegende Schrift stammt von Heinrich Wieynck, einem Schriftgestalter, der vor 1900 als Musterzeichner an der Unterrichtsanstalt des Kunstgewerbemuseums Berlin studierte, aber knapp um die Jahrhundertwende auch in Paris Lehrjahre verbrachte.

Wieynck war nicht nur Typograf, er leitete als Bibliothekar ab 1914 die Staatliche Kunstgewerbebibliothek Dresden. Im Gedächtnis geblieben ist er als Pionier der Typografie. Er entwarf acht Schriften, nicht nur Fraktur - aber die gehörte eben durchaus zum Repertoire des zeitgenössischen Typografen. Wieynck arbeitete hauptsächlich mit der Bauerschen Gießerei zusammen. Der Designer Dieter Steffmann hat Wieyncks Fraktur digitalisiert, und zwar, so weit ich das rekonstruieren konnte, 2002. Dabei ist dem Autor das C abhandengekommen, sodass die Schrift nun Wieynk-Fraktur heißt. Egal: Ich freue mich über die neue typografische Zier dieser Kolumne und werde versuchen, Ihnen demnächst möglichst viele dieser schönen Buchstaben zu zeigen, ohne Ihnen dabei ein X für ein U vorzumachen. F


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