Kommentar Kulturpolitik

Wien Museum: Nicht das Wo, sondern das Wozu ist die Frage

Falter & Meinung | Matthias Dusini | aus FALTER 02/13 vom 09.01.2013

Ende letzten Jahres wollte Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (SPÖ) bekannt geben, wo das neue Wien Museum gebaut werden würde. In die engere Auswahl kamen der Karlsplatz, wo sich bereits jetzt das alte Stadtmuseum befindet, und eine Bauparzelle auf dem Gelände des ehemaligen Südbahnhofs. Die Entscheidung ist noch ausständig, stattdessen machte der Kulturpolitiker in einem Standard-Interview eine andere Nachricht öffentlich. Es geht dabei um den Arbeitsvertrag von Wolfgang Kos, der demnächst auslaufen wird. Er wird nur um die Hälfte einer Periode, nämlich bis Mitte 2015 verlängert.

Im Hinblick auf den anstehenden Neubau des Museums und die geplante Neukonzeption der Dauerausstellung ist dieser Schritt sinnvoll. Ein neuer Direktor bzw. eine neue Direktorin kann die Entwicklung des Projekts als Bauherr von Anfang an begleiten und so Fehler vermeiden, die etwa bei der Realisierung der Kunsthalle Wien und des Museums moderner Kunst gemacht wurden.

Es ist allerdings schwer vorstellbar, wie das neue Museum ohne Kos in die Gänge kommen soll. Durch seine Marketingmaßnahmen und sein Programm erst wurde der kulturpolitische Wunsch nach einem Neustart geweckt. Ein kalkuliertes Zusammenspiel von Corporate Design, Standort- und Ausstellungswerbung vermittelten der Öffentlichkeit das Bild eines der Gegenwart gegenüber offenen Geschichtsspeichers.

Ohne Kos wird die Leere zutage treten, die sich hinter der Standortdiskussion auftut. Der Erfolg des scheidenden Direktors übertönte die wesentliche Frage, ob ein Museum des 19. Jahrhunderts heute noch gebraucht wird. Die bleibt auch nach der Standortentscheidung unbeantwortet. F


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