Enthusiasmuskolumne Diesmal: das beste Kochbuch der Welt der Woche

"Den Alligator in Würfel schneiden“

Feuilleton | aus FALTER 02/13 vom 09.01.2013

Das Münchner Plattenlabel Trikont ist seit vielen Jahren eine gute Adresse für liebevoll gestaltete Themensampler, unter anderem im Bereich der Black Music. Die kürzlich erschienene CD "Soulfood“ fügt sich da nahtlos ein. Der Untertitel "Food & Music, Fat & Yummy“ gibt das Programm vor: 18 Lieder lang dreht sich alles ums Essen - respektive um die traditionelle, also nicht eben kalorienarme und alles andere als fleischfreie afroamerikanische Küche.

Der Schwerpunkt liegt auf Sixtiesfunk, der zwischen sexy Midtempo und ordentlich anschiebendem Partyprogramm im wahrsten Sinne des Wortes fett groovt, ein wenig Hip-Hop schlägt die Brücke zur Gegenwart. Zusammengestellt von Sven "Katmando“ Christ ist "Soulfood“ aber weit mehr als ein leiwandes Stück Musik: Die Lieder liefern lediglich den Soundtrack zum Kochbuch "Soulfood - The Roots of African American Cooking“, das die CD begleitet.

Denn Christ ist nicht nur DJ, Plattensammler und Journalist, er ist vor allem auch Koch - und als solcher Experte für Soulfood. Unter den Dutzenden Rezepten finden sich zwar auch ein rosaroter Krautsalat, eingelegtes scharfes Gemüse und Süßspeisen wie Kokos Kalypso oder der Mississippi Mud Cake; im Prinzip ist Soulfood für Vegetarier aber eine gröbere Provokation.

Wagemutige Fleischfresser ohne Cholesterinpanik dürfen sich dagegen freuen: Da gibt es etwa die mit Whiskey zubereitete frittierte Schweinehaut, das mit gleich einem Liter Gerstensaft abgeschmeckte Chicken ’n’ Beer, den Alligator-Eintopf oder das geschmorte Eichhörnchen.

Wer gerade kein amerikanisches Eichhörnchen und kein Kilo Alligatorfleisch zur Hand hat: Hase beziehungsweise Kalb sind zwar kein original Soulfood, tun es zur Not aber auch. gerhard stöger


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