Glaube essen Seele auf: der zweite Teil von Ulrich Seidls "Paradies“-Trilogie

Feuilleton | Joachim Schätz | aus FALTER 02/13 vom 09.01.2013

:: An internationalem Zuspruch mangelt es Ulrich Seidl dieser Tage nicht. Nicht nur ist ihm mit seiner "Paradies“-Trilogie als Erstem das Kunststück gelungen, binnen eines Jahres auf den drei bedeutendsten Filmfestivals (Cannes, Venedig, Berlin) im Wettbewerb zu landen. Vor kurzem gab dem österreichischen Irritationskünstler niemand Geringerer als US-Kultfilmer John Waters seinen Segen.

In Waters’ Film-Jahresbestenliste besetzen "Paradies: Glaube“ und "Paradies: Liebe“ die Plätze zwei und drei, eingeleitet von einer nachgerade biblischen Verkündigung: "Fassbinder died, so God gave us Ulrich Seidl.“

Mit Rainer Werner Fassbinder, dem großen Meta-Melodramatiker des 70er-Jahre-Kinos, wurde Seidl schon öfter verglichen. "Paradies: Glaube“, Teil zwei der Trilogie, ist sein erster Film, bei dem diese Assoziation angemessen wirkt: thematisch (eine Ehehölle-Erzählung mit sadomasochistischem Beiklang) und stilistisch (Tür-, Fenster- und Bilderrahmen gliedern die spärliche Mise-en-scène),

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