Die ganze Welt in einer Straße

Feuilleton | Literaturkritik: Klaus Nüchtern | aus FALTER 02/13 vom 09.01.2013

Der Großstadt-Roman der Gegenwart ist John Lanchester mit "Kapital“ nicht ganz geglückt

Das Wasser ist kein gutes Sujet für Fische. Über den Fluss, in dem sie schwimmt, hat die Forelle so wenig zu erzählen wie der Karpfen über den Teich, in dessen Schlamm er dümpelt. Interessant wird es, sobald man die Forelle in den Teich und den Karpfen in den Fluss wirft.

Diese Erkenntnis macht sich John Lanchester für seinen jüngsten Roman "Kapital“ zunutze. Der 1962 in Hamburg geborene britische Schriftsteller und Journalist delegiert die interessantesten Beschreibungen von London an jene Figuren, die hier nicht heimisch sind.

An die aus Zimbabwe geflüchtete Politesse, die ein gut geschultes Auge für die soziale Stratifikation von Verstößen wider die Parkordnung hat; an den polnischen Bauarbeiter, der erstaunt feststellen muss, dass die Engländer genauso enthemmt saufen wie seine Landsleute; an das Kindermädchen aus Kecskemét, das die Stadt "schrecklich und vulgär, aber auch spannend


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