Ins Mark Der Kommentar zur steirischen Woche

Von Gratis- und Kaufzeitungen

Steiermark | aus FALTER 02/13 vom 09.01.2013

Notleidende Kleingemeinden und Großgemeinden, die glücklich sind, weil sie nach Wunsch der Landesregierung fusioniert haben, davon wusste die Grazer Woche kürzlich zu berichten. In einem Kommentar samt Foto betonte der Chefredakteur, was in der heißen Phase der Gemeindereform jetzt das Wichtigste sei: "Information. Die Woche wird sich nach bestem Wissen und Gewissen um diese Pflicht kümmern.“

Doch diese Worte vermögen kein Vertrauen zu erwecken: Stehen sie doch auf einer Doppelseite voller Artikel, die mit "Werbung“ überschrieben ist. Unabhängige "Information“?

Gut, so sind halt die Sitten der Gratiszeitungen, könnte man einwenden. Sie beschränken sich aber nicht auf diese. Einen Tag vor Erscheinen der denkwürdigen Doppelseite stellte der Presserat zur Serie "Die Reformpioniere“ der Steirerkrone gleich mehrere Verstöße gegen den Ehrenkodex fest. Der lokale Chefredakteur hatte dort persönlich die Landesregierung dafür gelobt, dass sie "heiße Eisen angepackt“ habe. Was die Leser nicht wissen konnten: Das Land Steiermark hatte die Serie mit 150.000 Euro gefördert. Als Hinweis war nur zu lesen: "Eine Serie von Krone und Land Steiermark“. Aufgemacht waren die Artikel wie alle anderen auch.

Ja, der Journalismus geht durch schwierige Zeiten, auch, weil übersteuerte Eigentümer Medien nur noch als Cashcows wie alle anderen Unternehmen auch sehen. Mit solchen Aktionen aber führen sich Medien völlig ad absurdum. Und auch die Politiker, die solche "Kooperationen“ eingehen, machen sich damit in erster Linie unglaubwürdig. Das könnte nach einem Jahr intensiver einschlägiger Debatten langsam durchgesickert sein. F


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