Doris Knecht Logbuch

Haben wir das jetzt durch? Endgültig?

Kolumnen | aus FALTER 02/13 vom 09.01.2013

18.12. 18.30 Uhr. Irgendwas muss sich ändern.

20.12. 17.30 Uhr. Anruf Prix. Er kritisiert die Darstellung meiner Minilesung anlässlich seines Geburtstags. Er sagt, nach der Lektüre meiner Berlin-Kolumne im letzten Falter deuchte ihn, ich sei dort mit Lederriemen an ein Regal gefesselt und unter Androhung von Stockhieben gezwungen worden, ihm gegen meinen Willen ein Kolumnenständchen zu halten. Mehrere Menschen hätten ihn darauf dahingehend angesprochen, und in Wirklichkeit, seien wir uns ehrlich, hätte ich mich doch quasi aufgedrängt. Wenn es mir nicht allzu viel ausmache, begehre er eine Richtigstellung. Na gut. Ich las also zu Prix’ 70. Geburtstag leuchtend vor Geschmeicheltheit, beflissen und mit kindischem Stolz. Und, weil Wolf Prix sonst niemals Ruhe geben wird, die Stones, also in dem Fall Keith Richards und Marianne Faithfull, singen in "Sympathy for the Devil“ nicht: u-uhhh, wie ich bei inkriminierter und anderer Gelegenheit fälschlicherweise behauptet habe, sondern: bdubduuu. Haben wir das jetzt durch? Endgültig? Gottlob.

21.12. 15.40 Uhr. Die Welt geht, scheint’s, nicht unter. Das Kind, dem wir als Weihnachtsgeschenk heimlich ein Keyboard gekauft haben, gibt bekannt, es wolle jetzt Harfe lernen.

21.12. 22.15 Uhr. Bei der Profil-Weihnachtsfeier vor einem befreundeten und einem unbekannten Kollegen tüchtig über einen Schas-Preis geschimpft, irrtümlicherweise erwies sich der unbekannte Kollege als verantwortlich für den Schas-Preis. Ganz toll gemacht, wieder mal.

23.12. 10.10 Uhr. Vorarlberg, Familie, nein, danke, für mich keinen Schnaps.

29.12. 18.30 Uhr. Noch immer Vorarlberg. Einen alten Bekannten, der auch schon ewig in Wien lebt, im Bus Richtung Rodeln getroffen, später Mutter und Schwester davon berichtet, Erstere weiß im Unterschied zu Zweiterer, wer gemeint ist: "Du kennscht d’ Schwöschter. A Moatle und an Bua heat se. Der Bua isch mit der Lara i’d Volksschual ganga, woasch numma? Wia hoaßt se mit Vornama?“ "Ah, i woaß scho, ene hoaßt Hermine.“ "Na, ene moan i ned. I moan ene, was an Huber häat. Hoaßt se ned Helga?“"Du moanschtst dia mit dena drei Kind?“ "Na, zwoa heat se!“ Jetzt hätte ich doch gern einen Schnaps, bitte.

30.12. 8.30 Uhr. Heimfahrt im Railjet, stilles Glück.

31.12. Abends en famille zu Haus, stilles Glück ff: "Forrest Gump“ mit den Mimis, 20 Raketen vom Balkon, eine Flasche Schampus, ein glückliches Neues, gute Nacht.

2.1. 16.30 Uhr. Der Fiebermesser zeigt 39,9. Man hätte vielleicht doch nicht in nassen Jeans rodeln sollen, auf den gefrorenen Lippen das Bonmot, Skihosen seien was für Kinder und Lulus.

7.1. 7.13 Uhr. Das Toastbrot schimmelt, die Milch kocht über, aus dem Müsli kriecht den Mimis eine Made entgegen, das Frischwäschemassiv gibt kein vertretbares Leiberl frei. Ich weiß gar nicht, warum alle so ein Aufheben um 2013 gemacht haben, es ist doch alles wie immer. F


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