Theater  Kritik

Schwarzmalerei de luxe: Generation Hoffnungslos

Lexikon | aus FALTER 02/13 vom 09.01.2013

Das neue Stück des oberösterreichischen Dramatikers Ewald Palmetshofer ist die Schwarzmalerei der Saison. In "räuber.schuldengenital“ haben die Menschen keine Liebe, keine Zukunft - und kein Geld. Die Brüder Franz und Karl (Christoph Luser und Philipp Hauß) sind offenbar so pleite, dass sie sich nicht einmal eine Bahnkarte leisten können, wenn sie ihre Eltern (Barbara Petritsch und Martin Schwab) besuchen wollen. Sie kommen per Autostopp, und sie kommen, um zu kassieren: Das Geld, das die Eltern ihnen vererben werden, ist ihre letzte Hoffnung. Als sie erkennen, dass die monströsen Alten außer ihrer kleinen Pension gar nichts zu vererben haben (sie haben ja nicht einmal frische Milch im Kühlschrank!), richten die Brüder ein Blutbad an; die Nachbarstochter Petra (Sarah Viktoria Frick) wirft ihre Mutter (Therese Affolter) aus dem Rollstuhl und schließt sich der Brüderbande an.

Erzählt wird dieser brutal lakonische Plot in einer archaischen Tragödiensprache, die sich von den Smalltalkloops der früheren Palmetshoferstücke stark unterscheidet. Regisseur Stephan Kimmig und Bühnenbildner Oliver Helf setzen in der Uraufführung auf klar voneinander getrennte Welten: Zu ebener Erde, auf der Straße, bewegen sich die Brüder; eine Etage höher hausen die Eltern; ein zugemülltes Untergeschoß ist Petras Welt. Die Schauspieler finden sich auf dieser Bühne und in dieser Sprache sehr gut zurecht. Für die zusätzlichen Ebenen, die Palmetshofer in sein Stück eingezogen hat - ein Himmel für die Toten und ein apokalyptisches Zukunftsszenario mit Kind - findet Kimmig nicht ganz so überzeugende Lösungen. Trotzdem: Palmetshofers getriebener Befund einer hoffnungslosen Generation ist ein starkes Stück. "Das bringt mich lang schon um den Schlaf“, sagt Räuber Karl, "dass für die Zeit, die kommt, das Geld nicht reicht.“ WK

Akademietheater, Mi 20.00


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