Design  Kritik

Jetzt in neuer Fasson: moderne Möbel im Mak

Lexikon | aus FALTER 02/13 vom 09.01.2013

Zurück zu den Wurzeln - so könnte man die neue Präsentation der Wiener Moderne im Museum für angewandte Kunst (Mak) zusammenfassen. Die eigenen Sammlungsbestände werden umfangreicher als bisher präsentiert, die Sachkenntnis der Kuratoren wird stärker gewürdigt. Nicht die große Geste kennzeichnet die neu konzipierte Schausammlung, die sich über drei Säle im ersten Stock des Museums erstreckt. Vielmehr spricht "Wien 1900“ den Kenner von Kunstgewerbe an, jenen, der die Schönheit eines Koloman-Moser-Möbels zu würdigen weiß.

Lediglich Saaltexte und Objektlisten informieren den Besucher über die drei Kapitel der Ausstellung. Das erste davon widmet sich dem Übergang zwischen dem Historismus und den Reformideen der Architekturschule Otto Wagners. Die technisch beschleunigte Warenwelt sollte nicht mehr in neugotischen und neubarocken Hüllen stecken. Der Mittelteil der Schau stellt die Künstler der Wiener Kunstgewerbeschule und der Wiener Werkstätte vor, die einen eigenen, an die Handwerkstraditionen des frühen 19. Jahrhunderts anknüpfenden Stil entwickelten. Und der dritte Abschnitt gibt schließlich einen Überblick über die Entwicklungen nach 1918, als die industrielle Fertigung die Rolle des Designers neu definierte.

Der Ingenieur trat damals an die Seite des Künstlers, Beispiele von in Serie produzierten Möbeln stehen folgerichtig neben der weiterhin existierenden Luxusproduktion, etwa den prunkvollen Kästen und Pokalen Dagobert Peches. Für diese Neuaufstellung kam der ehemalige Möbelkurator des Mak, Christian Witt-Dörring, ans Museum zurück. Seine Auswahl ist kenntnis- und abspielungsreich, aber leider wirkt die Präsentation etwas altmodisch und vermag das kuratorische Konzept nicht schlüssig zu vermitteln. MD

Mak, bis 1.6.


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