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Bücher, entstaubt

Politik | Wolfgang Zwander | aus FALTER 03/13 vom 16.01.2013

Soldaten sind Mörder

Während Österreich im Bann der Frage steht, ob die Wehrpflicht oder ein Berufsheer dem Land besser anstünde, drängt sich ein kurzer Blick auf eine Glosse von Kurt Tucholsky auf. 1931 schrieb der deutsche Journalist unter dem Pseudonym Ignaz Wrobel für die Zeitschrift Die Weltbühne: "Da gab es vier Jahre lang ganze Quadratmeilen Landes, auf denen war der Mord obligatorisch, während er eine halbe Stunde davon entfernt ebenso streng verboten war. Sagte ich: Mord? Natürlich Mord. Soldaten sind Mörder.“

Das konservative Deutschland schäumte und sann auf Rache; Die Weltbühne wurde wegen "Beleidigung der Reichswehr“ angeklagt. Der juristische Streit über Legalität oder Illegalität von Tucholskys Miniparabel zog sich bis 1995 (!) hin, erst da erkannte die höchste Instanz des Deutschen Bundesverfassungsgerichts letztgültig die Zulässigkeit der Aussage an, dass Soldaten - Wehrpflicht hin, Berufsheer her - nun einmal potenzielle Mörder sind.

Tucholskys ganze Glosse findet sich unter: textlog.de/tucholsky-kriegsschauplatz.html


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