Enthusiasmuskolumne  

König Ludwig als Geist im Dschungel

Diesmal: der beste TV-Auftritt der Welt der Woche

Feuilleton | Sebastian Fasthuber | aus FALTER 03/13 vom 16.01.2013

Es waren vor allem kleine Rollen, die Helmut Berger in den letzten Jahren ab und zu gespielt hat. Lange hielt er es auch im "Dschungelcamp“ von RTL nicht aus. Doch nach all dem Vorabgetöse um seinen Auftritt in dem Trash-TV-Format für C-Promis, in dem vorher noch nie ein Mann von Bergers Rang mitgewirkt hat, legte er im australischen Dschungel mit erstaunlich leisen Tönen mal eben eine große Altersrolle hin, ehe ihn der lokale Aufpasser Dr. Bob wegen medizinischer Bedenken aufgrund der Hitze herausnahm.

Bei der Anreise nach Australien hatte Berger noch betrunken randaliert, wie es eben von ihm erwartet wird. Im Camp, wo Alkoholverbot herrscht, beruhigte er sich. Während die anderen Kandidaten sich zum Affen machten, saß Berger - wie ein als Geist wiedergekehrter König Ludwig II. - beinahe bewegungslos auf seiner Schlafstätte, rauchte und sagte kaum mehr als einen Satz pro Stunde.

Etwa: "Das muss ein ganz kranker Mensch sein, der sich das ausgedacht hat“ (über die Sendung, in die ihn 150.000 Euro Startgeld lockten). Oder: "Jetzt hörts auf, ihr werdets ein bissl gewöhnlich“ (über seine Mitbewerber). Immer wieder blitzte das unvergleichliche Charisma auf, über das Berger nach wie vor verfügt. Das "Dschungelcamp“ hat klargemacht: Der Mann braucht eine Aufgabe.

Unglaublich, wie ihn zwei, drei Tage ohne Alkohol verändern. Seine verwaschene Aussprache, die man aus den TV-Auftritten der letzten Zeit kennt, war wie verschwunden, er sprach gut verständlich und hatte keinerlei Probleme bei der Wortfindung. Eigentlich ist Helmut Berger ein medizinisches Wunder. Und er stiehlt, egal ob voll oder auch mal trocken, immer noch allen die Show, wie die Rekordquoten beweisen.


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