TARANTINO

Feuilleton | J. Schätz | aus FALTER 03/13 vom 16.01.2013

Zur Auf- und Auswertung alter Trashfilme hat Tarantino beigetragen wie kein anderer. Von kundiger Wertschätzung zum Vintage-Chic ist es dabei nicht weit

"I steal from every single movie ever made.“ Tarantinos Modus Operandi ist die Aneignung.Das Spaghetti-Chopsocky-Epos "Kill Bill“ wirkte freilich eher kuratiert als inszeniert

Tarantinos historische Vision ist die Revision - und die stabreimt sich auf Revenge, zu Deutsch: Vergeltung. Erst hat das Kino Hitler getötet, jetzt geht’s gegen die Sklaverei

"I wanted to be an actor.“ Draus ist nichts geworden, dafür hat St. Quentin unter anderem John Travolta, Robert Forster und Christoph Waltz einen Karriereneustart beschert

Die Nachahmer gereichen Tarantino zur Schmach. Der postmoderne, ironisch abgesicherte Gangster-Chic hat das Kino der 90er verheert und Dolme wie Guy Ritchie reich gemacht

Sein Tempo ist das Largo. Spannung köchelt im Slow Burn, einige von Tarantinos schönsten Passagen (in "Jackie Brown“ oder "Death Proof“) verbummeln sich ohne Maß und Ziel

In den Interviews macht Tarantino den eigenen Job zum Drama. Zuletzt kündigte er an, in zehn Jahren in Pension zu gehen - um die Integrität seines Œuvres zu wahren

Des Fanboys Neigungen gehören nicht allein der Popkultur: Legendär ist etwa der Fußfetisch, den Tarantino seit "Pulp Fiction“ von Film zu Film weiterkultiviert

Obszön ist nicht die Gewalt, sondern wie viel in "Reservoir Dogs“, "Pulp Fiction“ oder "Kill Bill“ gequasselt wird: über Trinkgeld, Burger und Superman


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