Menschen

Schluss machen

Falters Zoo | Christopher Wurmdobler | aus FALTER 03/13 vom 16.01.2013

Vor ziemlich genau einem Jahr haben wir hier bedauert, es "wieder nicht“ zu Holiday on Ice in die Wiener Stadthalle geschafft zu haben. So wie das Jahr davor und das Jahr davor. Weshalb wir uns heuer endlich aufs Glatteis gewagt haben. Besser: an die städtische Eisbahn, um die lustige Eisrevue zu betrachten - gemeinsam mit sehr vielen Auskennern, die genau wissen, nach welcher Pirouette man besonders frenetisch applaudieren muss. Der Besuch bei den Eisprinzessinnen und -prinzen war sehr aufschlussreich, einmal davon abgesehen, dass die Show nicht unbedingt "Speed“ hätte heißen müssen. Außer deren Macher hatten die gleichnamige Droge im Sinn. Besonders gelungen war der Burlesque-Part, bei dem der Eiskunststar Forrest Ryan Mckinnon als waghalsiger Sideshow-Berserker über ganz schön viele kreischende Damen sprang. Und durch eine gefährliche Teufelskralle hindurch. Oder später dann noch mit seiner Kollegin Melody Le Moal und Motorrädern über die Eisfläche fuhr und die ganze Bagage als Anhängsel abschleppte. Nett. Also wirklich. Ach ja: Ehemalige Eistänzerinnen wie Trixi Schuba oder Ingrid Wendl waren natürlich auch da. Und ganz bestimmt ganz viele Eislaufmuttis und -vatis.

Natürlich kann man sagen: Ein Film, der am ersten Wochenende eine halbe Million Leute ins Kino lockt, kann kein guter sein. Und tatsächlich ist es schon länger her, dass Matthias Schweighöfer in irgend so einem Arthouse-Film zu sehen war. Falls der junge deutsche Filmstar überhaupt jemals in so einem Film mitspielte. Gerade startete "Der Schlussmacher“, in dem Schweighöfer die Titelrolle spielt und auch noch Regie geführt hat. Um es abzukürzen: Es ist eine Til-Schweiger-Komödie geworden. Ohne Til Schweiger, aber mit dessen Humor. Popcornkino, klar. Und obwohl man für so einen Film gar nicht die Werbetrommel rühren müsste (das verkauft sich von allein), ist der regieführende Hauptdarsteller nun wochenlang von Cineplex zu Cineplex unterwegs, schüttelt Hände und trifft - wohl vor allem - weibliche Fans, die bei Gewinnspielen das Schütteln von Schweighöferhänden gewonnen haben. In Wien fand das "Meet and Greet“ in der obersten Etage des Sofitel statt. Gute Aussicht hier. Die ideale Umgebung zum Schlussmachen.

Das Gegenteil von Schlussmachen macht gerade Christian Strasser, auch nicht mehr ganz neuer Direktor des Museumsquartiers. Er lud erstmals zum "MQ Jahresauftakt“ in seine repräsentativen Räumlichkeiten. Vielleicht auch um zu zeigen, dass das Areal nicht ausschließlich aus enziverbauten Abhänghöfen und kostbaren Eventflächen besteht. Mit Ausnahme von Danielle Spera, Direktorin des Jüdischen Museums, waren überraschend wenige Museumsdirektorinnen und -direktoren da. Also eher gar keine. Dafür viele Politiker, Bezirksvorsteher und Rathausleute. Aber es war ja auch nur ein Auftakt.

Eine Massenpreisverleihung bildete den Auftakt zum Preisregen, den Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny alljährlich über Wiens Kulturschaffende niederprasseln lässt. Der Ernst-Krenek-Preis und Preise der Stadt Wien wurden vergeben für Architektur, Kunst, Literatur, Musik, Publizistik, Volksbildung und Wissenschaft. Um nur drei zu nennen: Das volksbildende Trio infernale Science Busters, Heinz Oberhummer, Werner Gruber und Martin Puntigam, wurde ebenfalls ausgezeichnet. "Gedankenlesen durch Schneckenstreicheln“ heißt das neueste Bildungsbuch der Busters. Bitte nicht Schluss machen!

E-Mail an den Zoo: zoo@falter.at


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige