Tiere

Witzelsucht

Falters Zoo | aus FALTER 03/13 vom 16.01.2013

Peter Iwaniewicz sieht die dringende Pflicht, sich gegen blaue Tierkolumnisten zu wehren

1966. Ein kleiner Zettel klebte an einem Telefonmast: "Heute Dragan an deiner Maschine, morgen Bogdan auf deiner Christine. Wähle lieber freiheitlich!“ Mit dieser Botschaft rückte die FPÖ zum ersten Mal in meine Kinderwelt. Auf dem Heimweg von der Volksschule versuchte ich den Sinn dieses seltsamen Reims zu verstehen. Dass einem etwas weggenommen wird, war damals auch für mich schon ein nachvollziehbares, weil alltägliches Schulhofproblem. Den Teil mit der Christine verstand ich aber nicht, und meine Mutter wollte es mir seltsamerweise auch nicht erklären.

Lange Jahre lag diese mysteriöse Botschaft in den Gärkammern meines Unterbewusstseins vergraben, bis ich am 9. Jänner 2013 eine Presseaussendung der FPÖ las. Unter dem Titel "SPÖ-Geheimpapier: Auch Haustiere werden zu Heer eingezogen“ folgte ein gar eigenartiger Text: "In der Einleitung des SPÖ-Papieres heißt es, (…) es sei nur logisch, diese Synergie zu nutzen und eben auch Haustiere für den Präsenzdienst zu verpflichten.“ Beim FPÖ-Bürgertelefon laufen allerdings ob dieser SPÖ-Forderung die Telefone heiß. So fürchtet Adelheid S. (83) aus Wien, dass ihr Wellensittich "Burli“ die Ausbildung zur Brieftaube nicht schafft. "Der Burli ist so klein, der kann die schwere Feldpost doch nicht tragen.“

Hat Anonymous die OTS-Website gehackt und sich einen Spaß erlaubt? Nachfrage bei der Apa. Doch diese bestätigt, dass die Aussendung tatsächlich von der FPÖ komme und mit den Stichworten "Tierschutz“, "Wehrpflicht“ und "Satiere“ gekennzeichnet wurde. Satiere?

Ein Rechtschreibfehler, oder versucht die FPÖ tatsächlich, witzig zu sein? Noch ein Check im Pressetext: "Landwirt Franz F. (56) aus Stinatz, würde seinen Prachteber ‚Fridolin‘ gerne an das Heer abgeben., Der Fridolin wäre so ein richtiges Frontschwein‘, ist sich Franz F. sicher.“

Wie nach einem Hieb mit dem Gewehrkolben blitzt es mir vor den Augen, und schlagartig wird mir klar: Die wollen meinen Job! Die sind finanziell und inhaltlich billiger, in der Überzahl und wollen den für österreichische Journalisten sehr schwierigen Markt der saTierischen Kolumnenschreiberei übernehmen.

Und plötzlich sehe ich wieder kleine Zettel an Telefonmasten hängen: "Ist erst Strache an der Mache, dann ist der blaue Dumme an deiner Kolumne.“

Wehret den Anfängen! Und Freiheit für Burli und Fridolin!

iwaniewicz@falter.at

zeichnung: püribauer.com


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