Film  Neu im Kino

Brandauers Himmel-Reich lässt es regnen

Lexikon | Joachim Schätz | aus FALTER 03/13 vom 16.01.2013

Der große Regenmacher: Klaus Maria Brandauer als Wilhelm Reich

Im Musikvideo zu Kate Bushs Song "Cloudbusting“ (1985) ist der österreichische Psychoanalytiker, Sexualforscher und Biologe Wilhelm Reich (1897-1957) ein pfiffiger Tatmensch, der es erst mit Maschinen regnen macht, dann von finsteren Männern mit Hüten abgeführt wird.

Ziemlich genau so hat auch der österreichische Autor und Regisseur Antonin Svoboda ("Spiele Leben“) den dramaturgischen Bogen von "Der Fall Wilhelm Reich“ gespannt. Viel an Schattierungen ist leider nicht dazugekommen. Svobodas Biopic berichtet von der Exilzeit des umstrittenen Freud-Schülers in den USA, die in einem Schuldspruch (Reich starb 1957 in Haft) und einem eklatanten Zensurfall kulminierte: Zwischen 1956 und 1960 wurden seine Publikationen tonnenweise vernichtet.

Das ist aufregender Stoff, zumal für ein Drama, das sich als "Propagandafilm“ (Svoboda) für Reichs provokant ganzheitliche Methodik versteht. Mit dem Fokus auf die letzten Lebensjahre ist Reichs Sache allerdings ein Bärendienst erwiesen, denn damit treten die spekulativsten, wahnwitzigsten New-Age-Aspekte seines Lebenswerks in den Vordergrund: Holzkisten, die Lebensenergie bündeln, oder eben die regenspendenden Cloudbuster - und nicht etwa seine soziologischen und politaktivistischen Umschreibungen der Psychoanalyse aus den 1920er- und 1930er-Jahren.

Um trotzdem für Reich einzunehmen, setzt Svoboda auf das breitspurige Charismatheater Klaus Maria Brandauers in der Titelrolle und eine schamlos simple Märtyrererzählung mit allerlei neutestamentarischem Leihgut. (Den Judas macht Birgit Minichmayr.) Ein kleiner Triumph: Das Waldviertel schaut durch die Kamera von Martin Gschlacht erstaunlich plausibel nach Maine aus.

Ab Fr in den Kinos


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