Das Schauspielhaus geht dann mal zum Lachen in den Keller

Lexikon | Kritiken: Hermann Götz | aus FALTER 03/13 vom 16.01.2013

Wie eine Zunge aus Eis lässt Damian Hitz die große Gletscherfläche ins tödlich kalte Wasser ragen. Hier steht, stapft und starrt das Ensemble in Wintermänteln vor sich hin: Ein "Einsamer Weg“ (Mi, 19.30 Uhr) für jeden. Arthur Schnitzlers Salongeflüster macht da richtig frieren. Im kongenialen Duett mit seinem Bühnenbildner zeichnet Regisseur Ingo Berk wunderschöne Tableaus der Traurigkeit. Die cineastische Intensität der Bilder verzeiht den Schauspielern allerdings - das kennt man von Berks Inszenierungen - keinen falschen Ton. Und nicht jeder macht seine Sache so gut wie Pia Luise Händler.

"Abgesoffen“ (Di, 20 Uhr) von Carlos Eugenio López knüpft auf der Probebühne dem Titel nach an Schnitzlers fatalen Stückausgang an, die von Sebastian Schug fein inszenierte Dramatisierung des anarchistischen Dialogromans hat aber keine Berührungspunkte mit Fin-de-Siècle-Tristesse. Auf einer auf Licht und Rauch reduzierten Bühne von Thea Hoffmann-Axthelm können zwei famose Schauspieler die Killer-Sau rauslassen. Und dabei hat Florian Köhlers einmalige Komik im Spiel von Julius Feldmeier ein ebenbürtiges Gegenüber gefunden. Einfach, gut!

Weniger einfach aber auch nicht schlecht ist Elfriede Jelineks Fritzl-trifft-Faust- und-Natascha-fährt-mit-Kommentar "Faustin and out“ (25.1., 20.30 Uhr), den man auf Ebene 3 zeigt. Als Begleiterscheinung zu Peter Konwitschnys Faust-Inszenierung. Regisseur Philip Jenkins hat mit Seyneb Saleh und Verena Lercher zwei Darstellerinnen, die Text auch gut zwischen den Zeilen lesen können - bei Jelinek die halbe Miete. Für den Rest gibt’s Regieideen, die eh gut gehen. F


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