Zeit am Schirm

TV-Kolumne

Medien | Matthias Dusini | aus FALTER 04/13 vom 23.01.2013

Einige Staffeln lang konnte man in Tischrunden damit punkten, dass man sich als Zuschauer von "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!“ (RTL, 22.15 Uhr), gemeinhin bekannt als "Dschungelcamp“, zu erkennen gab. Wenn es jemand wagte, die Entblößung der Privatsphäre von Personen als Ausbeutung zu bezeichnen, bekam er ein ironisches Lächeln zur Antwort. "Aber geh, diese abgehalfterten Stars machen sich willentlich zum Deppen.“

Dieses augenzwinkernde Einverständnis mit dem Trash-Fernsehen als dem Bösen ohne Opfer ist inzwischen mehrheitsfähig. Gedemütigte Prominente und betrunkene Jugendliche in "Saturday Night Fever“ (ATV) haben mit keinen moralischen und bildungsbürgerlichen Vorbehalten mehr zu rechnen, der ihnen einen Rest von Empathie garantierte. Das hängt auch damit zusammen, dass das Fernsehen seine Glaubwürdigkeit als dokumentarisches Medium verloren hat. Ist doch eh alles nur Theater!


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