Elfriede und die sieben Zwerge

Feuilleton | Theaterkritik: Wolfgang Kralicek | aus FALTER 04/13 vom 23.01.2013

Matthias Hartmanns halblustiges Debüt als Jelinek-Regisseur: "Schatten (Eurydike spricht)“ im Akademietheater

Das typische Jelinek-Stück ist erstens eine überlange Textwüste, enthält zweitens keine Dialoge, bringt drittens einen klassischen Stoff mit einem aktuellen Thema zusammen und enthält viertens auch ein Selbstporträt der Autorin.

"Schatten (Eurydike spricht)“ ist ein typisches Jelinek-Stück. In einem einzigen riesigen Monolog schließt Jelinek den antiken Orpheus-Mythos mit dem Starkult von heute kurz. In Ovids "Metamorphosen“ rettet der Sänger Orpheus seine nach einem Schlangenbiss verstorbene Frau aus der Unterwelt - verliert sie aber wieder, weil er sich auf dem Weg aus dem Hades verbotenerweise nach ihr umdreht.

In Elfriede Jelineks Version ist Eurydike am Wort. Orpheus, der hier nur "der Sänger“ genannt wird, ist Popstar; Eurydike war Autorin und Fashion-Victim. Jetzt ist sie buchstäblich nur noch ein Schatten ihrer selbst, und eigentlich will sie gar nicht zurück


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