Im Tal der Selbstmörder und Idioten

Feuilleton | Buchkritik: Klaus Nüchtern | aus FALTER 04/13 vom 23.01.2013

Christine Lavants posthum erschienene Erzählung "Das Wechselbälgchen“ bildet den Auftakt zu einer Werkausgabe

Dass große Literatur nicht nur aus den vermeintlichen Zentren der Welt kommt, sondern vielfach im Regionalen wurzelt, ist nichts Neues, wird aber gerne vergessen.

Christine Habernig, geborene Thonhauser, hat sich zu ihrer Herkunft bekannt, indem sie die Gegend, in der sie geboren wurde, lebte und starb, zu ihrem Künstlernamen machte. "Das Lavanttal war bis vor verhältnismäßig sehr kurzer Zeit noch ein vollständig von aller Welt abgeschlossener Talkessel was zu sehr vielen Familienheiraten und daher Inzucht führte. Jedenfalls lieferte das Lavanttal bis vor Kurzem noch den größten Prozentsatz an Irrsinnigen Idioten und Selbstmördern.“

Was man gemeinhin als "tiefste Provinz“ bezeichnet und von Christine Lavant hier in einem Brief aus dem Jahr 1957 in der ihr eigenen erratischen Zeichensetzung beschrieben wird, ist auch der Schauplatz der Erzählung "Das Wechselbälgchen“.


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