Trilogie der tagtäglichen Traumata

Feuilleton | Rezension: Rolf Schwendter | aus FALTER 04/13 vom 23.01.2013

In seinem voluminösen Opus "Des Menschen Herz“ beschreibt Egon Christian Leitner die Katastrophen des Sozialstaats

Vor mir liegt ein dreibändiges Konvolut, das zwar den etwas allgemeinen Titel "Des Menschen Herz“ trägt, indes mit einigem Recht als "Sozialstaatsroman“ bezeichnet worden ist. Dabei ließe sich darüber streiten, inwieweit dieses bemerkenswerte Werk des Autors Egon Christian Leitner noch der herkömmlichen Kategorie des "Romans“ entspräche.

Am ehesten entspricht noch der erste Band (circa 400 Seiten) einem zeitgenössischen Roman-Begriff: Der Stil ist zwar fragmentarisch, die Handlung dennoch fortlaufend. Bildungs- und Entwicklungsroman, die verschriftlichte Wut über die üblichen Traumata (die Nazizeit, die Verachtung gegenüber den Kindern, der Vater, die Schule ...) mischen sich mit einer Vielzahl kritischer Sozialdetails: Selbstmorde (von Erwachsenen, Jugendlichen, Kindern), sexueller Missbrauch, Psychosen, todbringende Krankheiten, Tierquälereien, Altenheime


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