Frau Germec ist gelandet

Stadtleben | Reportage: Sibylle Hamann | aus FALTER 04/13 vom 23.01.2013

Ein türkischer Bub aus Hernals wird Wiener Sängerknabe. Das verändert nicht nur sein eigenes Leben, sondern auch das seiner Mutter

Nermin Germec, 47 Jahre alt, geboren in Samsun an der türkischen Schwarzmeerküste, kennt die Hofburg besser als viele Fremdenführer. Jahrelang hat sie hier geputzt. Konferenzräume und Veranstaltungssäle, Schauräume und Toiletten, Vitrinen und Prachtstiegen: Täglich frühmorgens rückten sie und ihre 18 Kolleginnen von der Leiharbeitsfirma an, sie mussten fertig sein, ehe draußen die Touristenbusse vorfuhren.

Für die Arbeit gelten detaillierte Regeln. Die mit kostbaren Intarsien verzierten Parkettböden dürfen nur trocken mit weichen Besen gekehrt werden. Die Marmoroberflächen reibt man mit einer Paste ein. Für die Reinigung der Kronluster breitet man erst ein Tuch auf den Boden, lässt sie dann per Knopfdruck von der Decke herunter und poliert jeden Kristall einzeln. Am mühsamsten, sagt Frau Germec, sind die endlos langen roten Teppiche über den


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