Ins Mark  

Sheriff und Witzbold

Der Kommentar zur steirischen Woche

Steiermark | aus FALTER 04/13 vom 23.01.2013

Da schaut her, zwischen uns zwei passt kein Blatt Papier! Das demonstrierten am Montag die "Reformzwillinge“ im Land, Voves und Schützenhöfer, als sie zum Zorn vieler verkündeten, von 539 steirischen Gemeinden blieben nur noch 285 übrig. In Graz präsentierte Bürgermeister Nagl genau das Gegenteil einer solch fixen Zusammenarbeit: ÖVP, SPÖ und FPÖ rauften sich nur zu einem losen Arbeitsübereinkommen zusammen.

Rauf und runter betet Nagl nun, die KPÖ habe sich einmal wieder der Verantwortung entzogen. Weil sie nicht unterschreiben wollte, dass sie bei Privatisierungen und Private Public Partnerships mitmachen werde. Dabei haben weder Nagl noch sein Finanzstadtrat auch nur irgendeine konkrete Idee, was sie denn privatisieren oder wo sie sich Private hereinholen wollen. Selbst Dietmar Pilz vom Stadtschuldenausschuss hält PPP für passé, weil "es immer zu Verteuerungen führt“. Es war klar, dass die Kommunisten das nicht unterschreiben können. Daher liegt es nahe, dass die VP dies nur als Knock-out-Kriterium benützt hat. Schade, dass auch die Grünen das Lied von der KPÖ als Drückebergerin mitsingen. Sie haben ja selbst Nagls Papier nicht unterschrieben, warum muss die KPÖ das dann?

Immerhin hat Nagl zumindest einigen Regierungsmitgliedern passende Ressorts gegeben, etwa die Kultur an die Grüne Rücker. Was er sich aber dabei gedacht hat, FP-Chef Mario Eustacchio alle Sicherheitsagenden der Stadt zu geben, darunter Ordnungswache und Strafverfahren aus dem Sozialamt, ist schleierhaft. Kurz vor der Wahl sagte er dem Blauen noch Nähe zu Rechtsradikalen nach, jetzt scherzt er über Eustacchio als "Sheriff von Graz“. Eigentümlicher Humor.

Gerlinde Pölsler ist Redakteurin im Steiermark-Falter


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige