Logbuch

Und warum wissen wir davon nichts??

Kolumnen | Doris Knecht   | aus FALTER 04/13 vom 23.01.2013

14.1., 15.17 Uhr: Nachdem wir tüchtig Gerstl für die Information bezahlt haben, dass es sich nicht rentiere, den Küchenofen zu reparieren, fahren der Lange und ich zu Ikea. Der Lange hält sich überraschend gut, erst ein paar Sekunden zu viel in der Geschenkspapierecke wecken das röhrende Monster in ihm. Lieb sein, Langer, wir ham’s gleich.

15.1., 19.02 Uhr: Die Mutter einer Mimi-Mitschülerin holt ihr Kind bei uns ab. Man sitzt in der Küche, trinkt ein Glaserl, redet über die Schule und erklärt das aktuelle Erziehungsprinzip. Im Wesentlichen handelt es sich, wie man der Mutter mit der Gravität der Kompetenten auseinandersetzt, um ein koordiniertes Wachkitzeln des Selbstverantwortungsbewusstseins der Mimis: Die Mimis sollen in ihrem ersten Gymnasiumsjahr nicht unter bösen, gleichmäßigen Druck gesetzt werden, der ihr Gefühl für ihre Möglichkeiten und Grenzen ruiniert. Sondern. Sie sollen selber spüren lernen, wie viel zu tun ist, wo es von selber geht und wo sie akut reagieren müssen. Und das funktioniert prächtig, jetzt bis auf diese eine Matheschularbeit, aber daraus haben die Mimis gelernt.

19.09 Uhr: Eins der Mimis schaut in der Küche vorbei, um, by the way, mitzuteilen, dass das andere Mimi, nur damit wir’s auch wissen, in diesem einen Nebenfach übrigens einen Vierer im Zeugnis haben werde, und zwar gerade noch knapp. WASSS?? WIE?!?!? Warum wissen wir davon nichts??? Die Freundinnen-Mutter betrachtet versonnen ihre Fingernägel.

17.1., 21.43 Uhr: Bei einer Geburtstagsparty bescheinigen mir der Horwath und die Dr. Urban Grausamkeit den Mimis gegenüber, weil ich ihnen Internet am Handy verbiete. Das sei doch lachhaft, das könne man doch heutzutage nicht mehr machen. Ich kann. Außerdem haben der Lange und ich einen Entschluss gefasst, den wir auch den Mimis bereits mitgeteilt haben: Sie können sich das Handy-Internet mit besseren Noten verdienen. Die Urban und der Horwath lachen mich aus und nennen mich ehrgeizig. Aha.

18.1., 21.10 Uhr: Neue Staffel "Girls“. Autorin-Regisseurin-Hauptdarstellerin Lena Dunham ist die großartigste, bewundertste junge Frau, wie die man auf keinen Fall sein will. In Staffel 1 sagt eine Frauenärztin: So viel, dass ich je wieder 24 sein wollte, kann mir niemand auf der Welt zahlen. Absolutely d’accord. Trotzdem: Die Szene am Ende der ersten Folge, als Hauptfigur Hanna ihren neuen Lover besucht und im Halbdunkel des Schlafzimmers ihren undünnen, tätowierten Körper bis auf den String entkleidet und sich dann rückwärts aufs Bett plumpsen lässt, und es hebt ihr beim Hinfallen so ein bissl die Haxen aus: Ich kann nicht genau erklären, warum, aber ich glaube, dass Lena Dunham die Welt und das Leben der Frauen verändert, und zwar zum Guten. "Girls“ macht auf unresignative Weise Schluss mit dem Jeder-kann-es-schaffen-Mythos: Es ist auch okay, wenn du es nicht schaffst, denn auch wenn du alle Regeln einhältst, kann es sein, dass du es nicht schaffst, so what. Ja, so what.


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