John Falstaff, ein Sir als Zirkusdirektor an der Oper Graz

Steiermark | Kritik: Herbert Schranz | aus FALTER 04/13 vom 23.01.2013

Falstaff als Zirkusdirektor: Diese Deutung von Shakespeares (Anti-)Held Sir John Falstaff in Giuseppe Verdis Opernadaption (1893) kommt in der Inszenierung von Tama Matheson an der Oper Graz verfrüht. Der australisch-neuseeländische Regisseur platziert sie schon im allerersten Bild. Dass Sir Falstaff (James Rutherford), der lebenslustige Bewohner des Gasthofs "Zum Hosenbande“, vermutlich dem exklusiven "Orden des blauen Hosenbandes“ nahesteht - Prinz William ist heute erst 1000. Mitglied - kann man anhand seiner blauen Kleidungselemente (Konzept: Peter Corrigan) bestenfalls erahnen.

Als eine Art Zirkusdirektor erweist sich Falstaff erst am Ende der komischen Oper, etwa in der von ihm eröffneten Schlussfuge "Tutto nel mondo è burla“ ("Alles ist Spaß auf Erden“). Mit der Vorwegnahme dieses Endzustands schwächt Matheson die dramatische Zugkraft. Dabei gibt es reizvolle Regiedetails wie die Anspielung an Chaplins "Der große Diktator“, als man Falstaffs Größe zu Ehren einen Luftballon aufbläst. Der Heliumflasche entnimmt Falstaff noch den Treibstoff für die hohe Stimme der zu verführenden Mrs. Ford (Margaretha Klobuèar).

Das für Verdis ungewöhnliche Opernmusik mit Bläsern hochangereicherte Orchester (hier die Grazer Philharmoniker) stand unter der Leitung von Johannes Fritzsch. Die Blechbläser gaben den Zuhörern eine viel zu grelle Sonderprüfung auf, sodass sich nur die besten Sänger (James Rutherford, Margaretha Klobuèar, Silvia Beltrami als Mrs. Quickly) mit souveräner Präsenz durchsetzen konnten. Ein Gefälle schon zur zweiten Darstellerreihe hin wurde deutlich.


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