Mediaforschung  Verführungskolumne

Wozu braucht ein Pirat ein Taschentuch, Frau Hensellek?

Medien | aus FALTER 05/13 vom 30.01.2013

Die Taschentuchmarke Feh hat eine neue Werbung, der Plot ist schnell erzählt: Ein spröder Marineoffizier hält um die Hand einer Dame an, sie fällt daraufhin ohnmächtig ins Meer. Ein Pirat rettet sie und fächelt ihr mit einem Taschentuch Luft zu. Sie wacht auf und lächelt: "Oh, it’s a Feh!“ That’s it.

Es ist nicht die Geschichte, die den Spot glänzen lässt, sondern deren gekonnte Umsetzung: Die Werbung ähnelt dem Kassenschlager "Fluch der Karibik“ so sehr, dass man zweimal hinschauen muss, um zu erkennen, dass es keine Originalszene aus dem Kostümschinken ist. Zwei Wochen suchten die Werber nach Doppelgängern der "Fluch der Karibik“-Stars Johnny Depp und Keira Knightley, fündig wurden sie schließlich in London und Berlin. "Der neue Feh-Kinospot sieht zwar nach Hollywood aus, wurde aber in good old Austria, im Schloss Laxenburg gedreht“, erzählt Christiane Hensellek, Junior Account Director von der Agentur Young & Rubicam Vienna. "Lediglich das maritime Flair wurde nach und nach in der Post-Production hinzugefügt.“

Das Werbekonzept, Feh in Filmklassiker einzubauen, ist bereits Jahrzehnte alt. Schon in "King Kong“, "Titanic“ oder "Zorro“ wurden mit den Taschentüchern Tränen getrocknet. Für Hensellek hat sich die Methode bewährt: "Es verleiht den Feh-Taschentüchern den gewünschten Hauch von Glamour und Eleganz.“ Oh, that’s the schmäh! Wer will da noch zu ordinären Rotzfahnen anderer Marken greifen, wenn er sich auch mit Glamour schnäuzen kann.

Benedikt Narodoslawsky


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige