Der Schrecken am Anfang der Schönheit


Ausstellungskritik: Matthias Dusini
Feuilleton | aus FALTER 05/13 vom 30.01.2013

Die Albertina zeigt mit Max Ernst einen Avantgardisten, der trotz aller Experimente der Tradition verpflichtet blieb

Eins wir wollen die hammerkloben flanell mit druckbelustigung der winterflora, wenn die Tage in Schöne verrauscht sind“, schreibt der Künstler Max Ernst 1921 in dem in der Tiroler Sommerfrische verfassten "Aufruf zu einer letzten Alpenvergletscherung“. Wie Schneeflocken stieben die Bedeutungen der Wörter durcheinander, rutschen zu neuen Formationen zusammen.

Das Museum Albertina widmet dem verspielten Wort- und Bilderstürmer Max Ernst eine Retrospektive, die von den frühen Tagen in der Kölner Dadaismusgruppe (und den sommerlichen Tirolaufenthalten) bis zum Pariser Spätwerk reicht. Man lernt den jungen Künstler kennen, der die Stile von Malern wie Marc Chagall und Giorgio de Chirico aufsaugte, ehe er zu eigenen Techniken fand. Nach dem Krieg entstanden aus Schulbuchillustrationen gefertigte Collagen, die mehr als nur die Provokationslust des anarchischen Dada ausdrücken.

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