Ein schrecklicher Schelm

Feuilleton | Buchrezension: Daniela Strigl | aus FALTER 05/13 vom 30.01.2013

In seinem jüngsten Roman verschreibt sich Michael Köhlmeier mit Haut und Haar der Lüge

Gleich die Eröffnung rückt den Erzähler ins Zwielicht und deklariert seine Geschichte als gemacht, als zurechtgemacht. Seine Stammtischgenossen hätten ihm geraten, mit "etwas Lustigem“ zu beginnen, sein Freund Sebastian Lukasser habe für eine literarische Anspielung plädiert - wegen der Kritiker.

Also versetzt das Ich den Beginn seiner Erzählung in eine "Zeit, von der viele glaubten, sie sei die letzte“. So ähnlich lässt Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen seinen Roman "Der Abenteuerliche Simplicissimus Teutsch“ anfangen, wobei er mit der Zeit seine eigene meint, die des Dreißigjährigen Krieges.

Der Hinweis auf die Folie für "Die Abenteuer des Joel Spazierer“ ist überdeutlich; der Erzähler, der einen jüdischen Namen führt, aber kein Jude ist, gibt sich jedoch als tumber Tor der Literatur. Erst spät will er herausgefunden haben, was ein Schelmenroman ist - um sich dagegen


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