Ohren auf  Sammelkritik: messingverstärkte Musik zwischen Pop, Soul und Jazz

Blut auf dem Tanzboden, Blech in der Band

Feuilleton | aus FALTER 05/13 vom 30.01.2013

Entgegen anderslautenden Behauptungen ist der Platz zwischen zwei Stühlen ziemlich gemütlich. Alle Welt liebt die Grenzüberschreitung - wogegen auch nix zu sagen ist, solange sie funktioniert. Und weil dies bei "Rava on the Dancefloor“ (ECM) klar der Fall ist, muss dieser Livemitschnitt vom November 2011 hier noch gewürdigt werden, auch wenn er schon ein halbes Jahr auf dem Markt ist.

Der Triestiner Trompeter und Flügelhornist Enrico Rava ist seit den 1960ern eine Schlüsselfigur nicht nur im europäischen Jazz. Mit 70 Jahren hat der einstige Avantgardist dann plötzlich Michael Jackson entdeckt und konnte fortan nicht mehr ohne dessen Musik leben. Sein Zugang zu den acht vom Posaunisten Mauro Ottolini arrangierten Jackson-Stücken bleibt freilich jazzig differenziert: Erst beim vorletzten Titel ("Blood on the Dancefloor“) lassen es die zwölf Herren so richtig krachen. Davor werden auch die inbrünstigen und intimen Momente ausgekostet, vor allem aber haben die Solisten ein gehöriges

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