Nüchtern betrachtet 

Kräutertee geht mehr auf die Birne als Kiffen

Feuilleton | aus FALTER 05/13 vom 30.01.2013

Dass sich die von mir aus frustrationskompensatorischer Verzweiflung verordneten Familienfasttage plangemäß entwickelt hätten, lässt sich nicht behaupten. Die Tochter verweigerte nicht bloß den Gehorsam, sondern fand darüber hinaus fatale Freude daran, sich mit einem süffisanten "Schmeckt’s?!“ nach dem väterlichen Verzehrvergnügen zu erkundigen. Die Perfidie solchen Fragens vermag nur zu ermessen, wer weiß, dass meine eherne pädagogische Ambition sehr bald am butterweichen Vaterherzen zunichte ward, das mich frischen Majoran über das in Oberssauce schmurgelnde Schweinslungenbratengeschnetzelte streuen machte, während ich am Sud irgendeiner überbrühten Trockenblattauslese nippte.

Das Zweitschlimmste am Fasten sind die Kräutertees. Schon der Begriff gehörte aus Gründen des Konsumentenschutzes verboten und durch denjenigen des "Teeersatzes“ substituiert. Fraglos ist der zerebrale Schaden des Kräuterteekonsums schlimmer als lebenslanges Kiffen. Ich habe in den letzten


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