Stadtrand Urbanismuskolumne

Wir vermeiden den Erregerkontakt

Stadtleben | aus FALTER 05/13 vom 30.01.2013

Möchte man, wenn man verrotzt, verhüstelt und verfiebert daheim bleiben muss, lesen, dass es anderen grad auch so geht? Ja, das möchte man. Ganz Wien scheint verkühlt zu sein. Wer statt ins Bett in die Arbeit geht, weiß das. Sie husten dir in der U-Bahn mitten ins Gesicht, niesen dir im Büro Bakterienfontänen zur Begrüßung entgegen und empfehlen im Gegenzug, dir möglichst oft die Hände gut zu waschen. Mindestens 30 Sekunden lang, mit viel Seife und so, wegen der Ansteckung.

Was zur Folge hat, dass sich vor den Waschgelegenheiten lange Schlangen bilden. Man begrüßt niemanden mehr mit Handschlag, lässt sich kein fremdes Telefon reichen und hält sich in öffentlichen Verkehrsmitteln lieber nicht fest. Im Supermarkt schaut man Obst und Gemüse sowieso nur aus der Ferne an - es könnte ja jemand angegriffen haben. Kurz: man vermeidet Erregerkontakt. Zumindest so lange, bis einem beste Freunde um den Hals fallen. Küsschen links, Küsschen rechts, ich bin übrigens total verkühlt. Aber daheim war’s schon so langweilig. Danke auch dafür. F


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige