Doris Knecht  Logbuch

Vielleicht räuchere ich so die schlechten Vibes weg

Kolumnen | aus FALTER 05/13 vom 30.01.2013

21.1. 20.48 Uhr. "Californication“ ist nur noch albern. Ein Horror, die sechste Staffel. Schon die fünfte war nicht zu ertragen, ich habe hundertprozentig an einigen Stellen die Schauspieler entgeistert über den Text lachen sehen, den sie sprechen mussten, während sie vollkommen bizarre Sexpraktiken ausführten. Ich seh mir dieses Elend nicht weiter an. Eigentlich war nur die dritte Staffel super, und ein bisschen die vierte, als Hank Moody seinen Roman in ein Drehbuch umschrieb.

22.1. 18.34 Uhr. Ich will den alten Herd zurück. Wer auch immer die Idee hatte, eine elektronische Steuerung direkt auf einer Glaskeramikplatte anzubringen, hat selber offenbar noch nie was anderes gekocht als Crack in Alufolie.

23.1. 7.01 Uhr. Kurz bevor ich beschließe, den Rest des Winters einfach nicht mehr aufzustehen, fängt das Vitamin B12 an zu wirken, das mir die Ärztin aufgrund eines empfindlichen Mangels desselben verordnet hat. Es ist ein Wunder. 20 Tropfen, das Leben wie neu.

23.1. 14.15 Uhr. SMS von diesem wunderbaren jungen Schauspieler: Seine Gattin ist überraschend verhindert, will ich ihn vielleicht zum Filmpreis ins Rathaus begleiten?

23.1. 17.16 Uhr. Marandjosef, was ziehe ich bloß an. Gute Tipps von fünf zehnjährigen Mädels, die in unserem Wohnzimmer Referat vorbereiten, allerdings kann ich, als ich ins Bad eile, gut sehen, dass sie die Augen verdrehen wie Michelle Obama beim Inaugurationslunch. Der Lange murmelt irgendwas von "demimooren“. Jaja, du mich auch.

23.1. 22.54 Uhr. Dem 2013er-Vorsatz, für mich kein Polyestergewand und, was im Prinzip kongruent ist, nie wieder Billigkettenkleidung mehr zu kaufen, sondern nur noch erlesene Second-Hand-Ware, füge ich einen weiteren hinzu, während ich auf Highheels über den Marmorboden des Rathauses schlittere und versuche, die funkensprühende Affäre, die mein Kleid mit meinen Strumpfhosen eingegangen ist, zu sabotieren: Auch die alten Synthetikkleider, und seien sie noch so wundervoll smaragdgrün und von fünf Zehnjährigen hochgedaumt, werden jetzt alle erbarmungslos entsorgt. Dabei hat das Kleid letztes Mal, bei dieser Hochzeit, super funktioniert, offenbar war da weniger Elektrizität in der Luft. Gut, die waren auch schon sehr lange zusammen.

24.1. 1.53 Uhr. Noch besser: Ich verbrenne das Kleid und räuchere damit die schlechten Vibes weg, die offenbar, so lernte ich es gerade eben in einem längeren Gespräch, von mir ausgehen. Es ist im Prinzip eine Hank-Moody-Situation, nur ohne den Glam, den Sex und die Drogen. Die lebenskluge Frau Sch., die ich hernach an der Bar anjammere, lacht nur und rät: heimgehen, alles wegduschen, und falls räuchern, lieber nicht mit dem Plastikkleid. Ich entscheide mich ersatzweise für noch ein Glas Wein, was meine Standfestigkeit auf dem Rathausboden sowie alles Weitere nicht begünstigt.

24.1. 6.40 Uhr. Darf ich BITTE weiterschlafen? Dankedankedah F


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