Kunst Kritik

Rotierende Räder, ratternde Renderings

Lexikon | aus FALTER 05/13 vom 30.01.2013

Björn Kämmerer: "Remote“, 2013

Manuel Knapp: "Untitled“, 2013

Zum zweiten Mal kuratiert Fiona Liewehr in der Galerie Georg Kargl Fine Arts eine Ausstellung über den Umgang zeitgenössischer Künstler mit dem Kino.

Die Bandbreite der in "Cinematic Scope“ gezeigten Arbeiten reicht von Experimenten mit analogen Filmprojektoren bis zu Installationen mit HD-Flatscreens. Der projizierte Film und die Apparatur bilden dabei - wie im Expanded Cinema der 1960er-Jahre - eine Einheit. Der deutsche Künstler Björn Kämmerer platziert im Eingangsbereich der Galerie ein Gerüst, auf dem sich ein 16-mm-Projektor im Kreis dreht und einen Kurzfilm über einen im Kreis fahrenden Radfahrer an die Wand wirft. Es ist eine Studie über den Reiz knatternder Maschinen und hüpfender Bilder, die in der Idee des Loops eine filmhistorische Verankerung hat.

Digitaler Ästhetik verpflichtet ist das Werk Manuel Knapps, der computergenerierte Animationen auf glänzend schwarze Leinwände projiziert. Zu sehen ist ein Flackern von Flächen und Linien, zwischen den beiden dunklen Leinwänden leuchtet die helle Wand auf, die ebenfalls angestrahlt wird. Dieses Werk hebt sich von der Mehrzahl aktueller auf 3-D-Renderings vertrauenden Computerfilme ab, denn es blendet neuartig die Filmbilder und die Materialität der Kinowand ineinander.

Auf melancholische Weise evoziert der deutsche Künstler Wolfgang Plöger die propagandistische Vergangenheit des Kinos. Er hat Filmstreifen mit den letzten Worten hingerichteter US-Häftlinge bedruckt. Auf den rotierenden Filmbändern kann man die Texte lesen, während sie sich auf der Leinwand selbst in abstrakte Typografie auflösen. Als würden die berührenden Worte der Verdammten vom Apparat verschluckt. Die Kunst fühlt sich im Museum der Kinematografie sichtlich wohl. MD

Georg Kargl Fine Arts, bis 9.3.


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