Kunst Kritik

Vom Bosporus grüßt der Muse Kuss

Lexikon | aus FALTER 05/13 vom 30.01.2013

Emre Hüner, 2012

Uygur Yılmaz: "Walkers“, 2012

Der Mineralölkonzern OMV betreibt in der Türkei ein Tankstellennetz und baut ein unter Umweltschützern nicht unumstrittenes Gaskraftwerk. Die OMV ist auch als Kultursponsor tätig und finanziert nun im Museum für angewandte Kunst (Mak) die Ausstellung "Zeichen, gefangen im Wunder“ über zeitgenössische Kunst aus Istanbul. Das Museum nennt sich ein Globallabor der Kultur und begründet damit die etwas merkwürdige Programmentscheidung. Dem Hype um die aufstrebende türkische Kunstszene wurde bereits im Jahr 2010 mit einer Ausstellung des Wiener Kunstraums TBA21 Rechnung getragen.

Etwas hilflos suggerieren Fotos osmanischer Gebäude auf der Wiener Weltausstellung 1873 eine gemeinsame Vergangenheit zwischen den Metropolen an der Donau und dem Bosporus. Und nur wenige Werke haben einen direkten Bezug zur Stadt, etwa die Fotoserie "Cityscapes Abbas“ von Hamra Abbas. Die pakistanische Künstlerin entfernte die Minarette aus der Skyline Istanbuls und veränderte so dessen muslimisch-orientalisches Image. Uygur Yılmaz fotografierte in der Serie "Walkers“ Bodenfliesen, ein Blick auf eine urbane Leerstelle. Insgesamt erzählen die Werke weniger ein bestimmtes Lokalkolorit oder eine politische Situation, sondern den Willen der Künstlerinnen und Künstler, sich den internationalen Kunstdebatten anzuschließen.

Die Installation "A Little Larger than the Entire Universe“ der in Berlin lebenden Künstlerin Emre Hüner besteht aus im Raum verstreuten Objekten, Fundstücken aus der Mülltonne, modellartigen Skulpturen und Bruchstücken von Keramiken. Diese Inszenierung erinnert an die Bildfantasien des Surrealismus und die Archivierungslust der Pop-Art. So verrät diese Ausstellung mehr über die Globalisierung Istanbul als über die Türkisierung der Gegenwartskunst. MD

Mak, bis 21.4.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige