Film Tipp

Katastrophe, Kitsch und Glaube: "Life of Pi“

Lexikon | aus FALTER 05/13 vom 30.01.2013

Pi muss Naturgewalten und die Anwesenheit eines Tigers überleben

Schlimmer kann es nicht kommen: Der junge Inder Pi Patel, Sohn eines Zoobesitzers, der mit seiner Familie und den Tieren nach Kanada auswandern will, erleidet Schiffbruch. Auf dem Rettungsboot ist der praktizierende Hindu, Moslem und Christ jedoch nicht allein - ein ausgewachsener Bengalischer Tiger ist der zweite Passagier. Die folgende Odyssee treibt Mensch und Tier an ihre Grenzen - und soll dem Hörer der Geschichte den Glauben an Gott geben können, wie ein älterer Pi Patel in der Rahmenhandlung ankündigt.

Mit "Life of Pi - Schiffbruch mit Tiger“ adaptierte Regisseur Ang Lee den 2001 erschienenen gleichnamigen Roman von Yann Martel, der lange als unverfilmbar galt - ist er doch nicht nur die abenteuerliche Icherzählung eines Schiffbrüchigen, sondern besticht zudem mit Reflexionen über Religion und Zoologie. Ein Film kann solche Gedankengebäude kaum vermitteln. Die Lösung, die Lee findet, verlässt sich auf die emotionale Kraft der Bilder: Als 3-D-Werk mit Überblendungen, Unterwasseraufnahmen und Farbeffekten ist ihm ein Film von außergewöhnlicher Schönheit gelungen.

Als wesentlicher Unterschied zum Roman fällt eine Verharmlosung der Handlung auf: Die brutalsten Sequenzen gehen rasch vorbei, das Ausmaß der monatelangen, quälenden Reise ist weniger greifbar. Manches Detail wird der literarischen Vorlage ausschmückend hinzugefügt, der (computeranimierte) Tiger mitunter vermenschlicht. "Life of Pi“ schrammt dann hart an der Grenze zum Kitsch, findet aber stets wieder in sicheres Gewässer zurück.

Auch wenn die Themenvielfalt und der Witz des Romans unerreicht bleiben, trifft Lee dessen Geist. Mit seiner opulenten Bilderflut ist "Schiffbruch mit Tiger“ jedenfalls ein großes optisches Vergnügen.

SABINA ZEITHAMMER

Weiterhin im Kino (OF 3D im Artis)


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