Schaubühne Graz: Hedda Gabler als One-Woman-Show ohne große Gegenspieler

Lexikon | Kritik: Hermann Götz | aus FALTER 06/13 vom 06.02.2013

Schon lange hat das Tanz- und Theaterzentrum der freien Grazer Szenen keine solche Truppe mehr gesehen: In Christian M. Müllers Ibsen-Interpretation treten die Kollegen Alexander Mitterer und Klaudia Reichenbacher von Theater Kaendace auf, Rainer Hauer - ein Grandseigneur des Grazer Theaters -, der umtriebige Christian Ruck sowie die drei jungen Profis Ingrid Adler, Stella Reinhold und Jula Zangger.

Die Grazerin Zangger, sie studiert am Mozarteum in Salzburg, gab unter Müller bereits zahlreiche prominente Rollen, darunter etwa Lady Macbeth und Medea. Der Regisseur selbst hat sich schon experimentierfreudiger gegeben, in seiner konventionell gehaltenen Inszenierung von Ibsens bürgerlichem Realismus bietet allein das Livepiano (Simon Schuller/Eunnijn Nausner) den Darstellern atmosphärische Unterstützung.

Das meiste Gewicht in Müllers Regie lastet auf den Schultern der jungen Hauptdarstellerin. Vor der sprunghaften Impulsivität ihrer Hedda verblassen die anderen Figuren, sie wirbelt durch die Welt und dabei alles durcheinander. Die Schaubühne Graz präsentiert eine Charakterstudie, die ob Zanggers Performance fasziniert - zugleich aber seltsam losgelöst wirkt: Den Mitspielern gelingt es nicht, Heddas Gegenspieler in allen Farben ihrer subtilen Bosheit zu malen, man sieht nur die Fäden, die Hedda spinnt, nicht jene, in denen sie sich verheddert hat.

Was bleibt, sind die nicht mehr ganz frischen Gesellschaftsbilder und Genievorstellungen, die man einem Ibsen nicht unbedingt anmerken muss. Hier leider schon. F

6., 8., 9., 13., 15., 16., 20., 22., 23.2., jew. 20h


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