Vor 20 Jahren im Falter Wie wir wurden, was wir waren

DDr. Nenning

Falter & Meinung | aus FALTER 06/13 vom 06.02.2013

Zu Lebzeiten ging er einem auf den Wecker, bisweilen. Liest man seine Antwort auf Peter Pelinkas Kritik im Falter, er spiele den "Narren an Haiders Hof“, vermisst man ihn. Günther Nenning, Herausgeber des Neuen Forvm, Auschützer und Journalistengewerkschafter. Mit allen Wassern der Selbstimmunisierung gewaschen, schrieb Nenning in seiner Antwort im Falter:

"Ja, endlich Schluss mit mir! Ihr habt lange Geduld gehabt, danke. Aber was zu viel ist, ist zu viel, das verstehe ich. Dem alten Wurschtel begegneten die auch nicht mehr so jungen Weisen mit Nachsicht, aber mit der Verletzung des fortschrittlichen Grundgesetzes ‚Demokratie ist Nichtdiskussion mit Haider‘ ist die Grenze erreicht. Ich gehöre ausgegrenzt, ausgebürgert, vatergemordet.

Übrigens, an der Verbrennung meiner 13 Bücher am kommenden Samstag, dem 13., um 13 Uhr auf der Uni-Rampe (13 ist die indogermanische Glückszahl) werde ich als Schnittlauch auf allen Suppen gerne teilnehmen.

Ach, ich weiß, dass ich keine Aussicht mehr habe auf mildernde Umstände. Aber gerade deshalb will ich mein Herz erleichtern durch ein umfassendes Geständnis. Ja, ich bin Jude, Kommunist und Nazi! Mit Jörg Haider nahm ich vertraulichen Umgang auf, als er in jungen Jahren noch ein sozial engagierter Paradeliberaler war. Seither ging ich beständig an seiner rechten Seite und flüsterte ihm in sein linkes Ohr ein.

Nach gemeinsam durchzechten Nächten verspeisten Haider und ich gemeinsam bosnische Kinder und zarte Tamilinnen. Ab und zu hätten wir gern auch weißes Fleisch, einen der Gebrüder Pelinka, den jüngeren vielleicht mit dem geilen Blondbart, oder den munteren Hubertus Czernin oder wenigstens den grantelnden Armin Thurnher (…).

Freunde, wir brauchen einen neuen Sozialismus! Während ihr noch mit Nichtnachdenken voll beschäftigt seid, bastle ich schon irrtumsfreundlich an der Zukunft und wäre euch dankbar, liebe Mitlinke, wenn ihr mir kritisch behilflich wäret, statt mich ständig anzuscheißen.“ AT


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