Kommentar Asylpolitik

Hallo, Herr Häupl! Geht Sie die Votivkirche gar nichts an?

Falter & Meinung | Barbara Tóth | aus FALTER 06/13 vom 06.02.2013

Was gut gemeint begann, steht vor dem Scheitern. Im Herbst marschierte eine Gruppe von Flüchtlingen und Aktivisten nach Wien, sie campten im Votivpark, dann flüchteten sie in die Votivkirche. Dort harren 45 Männer seit neun Wochen aus, zum zweiten Mal sind sie im Hungerstreik. Sie fordern Asyl, bessere Lebensbedingungen und das Recht, in Österreich arbeiten zu dürfen.

Auf symbolischer Ebene haben sie schon viel erreicht. Österreich hatte es sich bequem eingerichtet in seinem Fremdensystem. Es schiebt Flüchtlinge weg aus der Mitte der Gesellschaft, in entlegene Quartiere, in Lager, in die Anonymität der Illegalität.

Die Refugee-Bewegung hat sie in unser Bewusstsein zurückgeholt und ihnen erstmals die Möglichkeit gegeben, für sich selbst zu sprechen. Das ist ihr größtes Verdienst. Der Caritas ist es gelungen, den Boulevard auf die Seite der Votivkirchenflüchtlinge zu bringen, auch das ist ein Paradigmenwechsel in Österreich.

Gleichzeitig entstanden neue Gräben, wo es eigentlich keine geben sollte, weil man für ein und dieselbe Sache kämpft: zwischen der Kirche (und der zu ihr gehörenden Caritas) und der neuen Aktivistenbewegung. Die Regierung, der eigentliche Adressat der Flüchtlingsforderungen, konnte sich da fein raushalten und zusehen, wie sich vermeintlich gute und böse Unterstützer gegeneinander ausspielen.

Zurück zur Tagesordnung. Das heißt zuallererst, den Flüchtlingen gemeinsam einen gesichtswahrenden Ausweg aus ihrem Kirchenasyl aufzuzeigen. Es kann doch nicht sein, dass es in Wien kein geeignetes leerstehendes, nicht-kirchliches Gebäude gibt. Von der rot-grünen Wiener Stadtregierung hat man dazu schon viel zu lange nichts gehört.


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