Mediaforschung Verführungskolumne

Warum vergleichen Sie Dörfler mit Ceausescu, Herr Petzner?

Medien | Wolfgang Zwander | aus FALTER 06/13 vom 06.02.2013

In Tarantinos neuem Kinofilm "Django Unchained“, in dem ein ehemaliger Sklave mit dem "Besitzer“ seiner versklavten Ehefrau abrechnet, spritzt das Blut wie in einem Schlachthaus. BZÖ-Politiker Stefan Petzner will nicht verstehen, warum in den Kärntner Kinos Tarantinos Filme gezeigt werden dürfen, ein von ihm konzipiertes BZÖ-Wahlvideo aber von allen großen Kinobetreibern abgelehnt wurde - weil es etwa nach Ansicht von Cineplexx "verhetzend und menschenverachtend“ sei. "In Kinofilmen wird gebombt und vergewaltigt“, echauffiert sich Petzner. Sein Clip sei "harmlos“.

Laut dem BZÖ-Politiker war das Werbefilmchen für die Kärntner Landtagswahl aber auch als "gezielter Aufreger“ geplant. Das Video beginnt mit "Wir sind das Volk“-Rufen, zeigt Jubelszenen vom Ende der DDR, von Obamas Wahltriumph ("Change has come to America“) und vom Sieg des ägyptischen Volkes gegen das Mubarak-Regime ("Egypt is free“). Danach zersplittern Glasscheiben, die abwechselnd mit den Konterfeis von Diktatoren und Kärntner Landespolitikern versehen sind; auf "Scheuch-Marionette“ Gerhard Dörfler folgt etwa Rumäniens 1989 erschossener Diktator Nicolae Ceauşescu. Am Ende wird der Schriftzug eingespielt: "Am 3. März 2013: Kärnten befreien! Josef Bucher. Einfach anders.“

Petzner sagt, er freue sich über die Zensur seines Videos; der Film erhalte nun kostenlos weit mehr Aufmerksamkeit, als die Ausstrahlung im Kino gebracht hätte. Ende vergangener Woche war der Clip bereits öfter als 60.000-mal auf Youtube aufgerufen worden.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige