Enthusiasmuskolumne Diesmal: die beste Postkarte der Welt der Woche

Mit freundlichen Grüßen klingt gut

Feuilleton | Gerhard Stöger | aus FALTER 06/13 vom 06.02.2013

Die Schallplatte und die Postkarte haben eines gemeinsam: Beide sind sie Medien einer vergangenen Zeit - und doch leben beide noch. Die Masse der Musikhörer brennt, loadet down und streamt, die Freaks ehren immer noch die schwarze Scheibe. Und obwohl der moderne Mensch mailt, SMSt, twittert oder facebookt und nur im äußersten Notfall zum Stift greift, ist auch die Postkarte bislang nicht gänzlich aus dem Alltag verschwunden.

Die klingende Postkarte aber, die ward schon lange nicht mehr gesehen. Klingende Postkarte? Ja, genau, die gibt’s. Oder besser gesagt: Die gab’s. Vor Jahrzehnten. Postkarten mit einer Rille drauf, die sich über den Plattenspieler abspielen ließ. Klang nicht gut, war auch nicht gut für die Nadel, funktionierte als Gag aber zuverlässig.

Das steirische Liebhaberlabel Early Morning Melody lässt diesen Spaß jetzt wieder auferstehen. Unter dem Titel "Soundcards 01“ veröffentlicht es ein auf 100 Stück limitiertes Set mit vier künstlerisch wertvoll gestalteten Postkarten, die man sich auch anhören kann. Das Material ist ungleich massiver als früher, was sich positiv auf den Klang auswirkt, und auch die Plattenspielernadel muss weniger leiden.

Die exklusiv für dieses Projekt gefertigte Musik kommt aus der Wiener Experimental- und Elektronikszene. Maja Osojnik, Microthol, Daniel Lercher und Bernhard Fleischmann lassen es ganz unterschiedlich tönen; die Kürze eint die vier Beiträge, denn viel mehr als zwei Minuten passen nicht auf so eine Postkarte.

Erhältlich ist "Soundcard 01“ direkt beim Label (www.earlymorningmelody.com) oder bei der Präsentation am 13.2. im Rhiz. Und ja, man könnte diese Postkarten tatsächlich auch verschicken. Bei 42 Euro für das Set wäre das aber ein recht kostspieliger Gruß.


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