Buch der Stunde

Warum wir dem Schauen trauen

Feuilleton | Sebastian Kiefer | aus FALTER 06/13 vom 06.02.2013

Farbenblinde Tiere finden sich in der Welt zurecht, wozu also müssen wir Farben sehen? Standardantwort: Damit wir genießbare von ungenießbaren Früchten unterscheiden können. Falsch, behauptet der Evolutionsneurobiologe Changizi: Wir können so viele Farben unterscheiden, weil wir so den Zustand der Mitmenschen abschätzen können. Die Hautfarbe ändert sich je nach Konzentration und Sauerstoffgehalt des Blutes und diese wiederum mit den Zuständen des Individuums. Wir werden vor Ärger rot, vor Schreck bleich und grün aus Blutarmut.

Dieses Drama der Farben spielt sich auf einem neutralen Grund ab, der Hautfarbe, für die wir keinen Farbnamen haben. Je kahler die Primaten im Gesicht wurden, umso weiter entwickelte sich ihr Farbsehsinn. Die überraschende wie in glänzenden Indizienbeweisen vorgetragene These Changizis: Farbsehvermögen und Empathie gehören zusammen.

Ebenso fantasievoll und intelligent belegt ist Changizis Interpretation optischer Täuschungen: Sie gründen in der (bekannten)


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