Kommentar  Kulturpolitik

Die Schiele-Auktion: Wie der Staat seine Schätze verliert

Falter & Meinung | Matthias Dusini | aus FALTER 07/13 vom 13.02.2013

Mitunter macht auch der Staat ein Schnäppchen. Im Jahr 1994 beschloss die Republik, 160 Millionen Euro an den Kunstsammler Rudolf Leopold zu zahlen. Leopold brachte dafür seine von Experten wesentlich höher bewertete Sammlung in eine Privatstiftung ein; das Leopold Museum machte sie öffentlich zugänglich.

Drei Schiele-Zeichnungen aus der Leopold Museum Privatstiftung kamen in London nun um 14,5 Millionen Euro ohne Aufschläge unter den Hammer (siehe auch S. 28). Kulturministerin Claudia Schmied hatte ihren Segen dazu gegeben. Das Museum freut sich über den Gewinn, denn es kann mit diesem Geld den Ankauf eines Gemäldes von Egon Schiele finanzieren.

Für den österreichischen Bürger sieht die Sache weniger erfreulich aus. Der Staat hatte sein Geld nämlich nicht deshalb in Kunst investiert, damit sie an den Höchstbietenden weiterverhökert wird. Im Gegensatz zu einer Privatstiftung können staatliche Museen zum Glück nicht sagen: Tausche Papier gegen Ölgemälde. Flugs hätte die Grafische Sammlung Albertina ihre lichtempfindlichen Arbeiten durch publikumswirksame Picassos ersetzt.

Die asiatischen Keramiken des Museums für angewandte Kunst sind auf dem Kunstmarkt Millionen wert. Ihre Attraktivität beim Publikum hält sich in Grenzen, sodass ein Tausch mit spektakulären Installationen der Gegenwartskunst durchaus vernünftig wäre. Und sucht nicht das Museum für Völkerkunde dringend nach Geld, um seine Neuaufstellung zu finanzieren? Ein paar Nok-Skulptürchen ließen sich wohl finden. Doch auch im Falle der Leopold-Stiftung hätten die Staatsvertreter im Vorstand den Verkauf verhindern können. Das Geld war ihnen mehr wert.


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