Wieder gelesen

Politik | Kirstin Breitenfellner | aus FALTER 07/13 vom 13.02.2013

Bücher, entstaubt

Annette Schavan und der Skandal

Spätestens seit die deutsche Bildungsministerin Annette Schavan vor wenigen Tagen zurückgetreten ist, weil sie angeblich in ihrer Doktorarbeit plagiiert hat, ist das Wort "Skandal“ wieder in aller Munde. Im Buch "Die Mechanismen der Skandalisierung“ liefert Hans Mathias Kepplinger eine solide Analyse des Phänomens des Medienskandals ab. Der Skandal stellt eine Sonderform des Klatsches dar, der allerdings nicht im Geheimen, sondern in den Massenmedien ausgetragen wird. Weil niemand Genaueres weiß, hat er einen Zug zur Angleichung der Urteile, bis eine allgemein akzeptierte Sichtweise entsteht. Obwohl die meisten Skandalisierten tatsächlich Regeln verletzt oder Missstände verursacht haben, fühlen sich nahezu alle als Opfer. Und sie werden ja auch wirklich verfolgt: von der Medienmeute, die, auch wenn sie erkannt hat, dass ihr Opfer unschuldig ist, zumeist nicht mit Mitleid, sondern mit Häme reagiert.

Hans Mathias Kepplinger: Die Mechanismen der Skandalisierung, Olzog, 224 S., € 27,70


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