Enthusiasmuskolumne  Diesmal: das beste Feel-Good-Movie der Welt der Woche

Mach dein Leben auf deine Art kaputt

Feuilleton | Klaus Nüchtern | aus FALTER 07/13 vom 13.02.2013

Wer dieses Gesicht einmal gesehen hat, wird es nicht mehr vergessen. Und den Film, in dem es zum ersten Mal zu sehen war, auch nicht. Zu verdanken ist das zwei Teenagern: der Schulabbrecherin Shelagh Delaney, die das Stück "A Taste of Honey“ geschrieben hatte, und der Hauptdarstellerin Rita Tushingham, die das 17-jährige Mädchen Jo dann in Tony Richardsons gleichnamiger Verfilmung von 1961 verkörperte.

"A Taste of Honey“ beginnt mit einem Ballspiel auf dem Schulhof, und man hat gleich einmal Angst um das Mädchen, das sich dabei so patschert anstellt. Spätestens nachdem man gesehen hat, wie ungerührt sie den offenbar schon zur Routine gewordenen fluchtartigen Umzug mit ihrer nicht übermäßig fürsorglichen Mutter Helen (Dora Bryan) abwickelt, weiß man, dass man sich um diese Jo keine Sorgen machen muss, auch wenn ihr Helen hinterher schimpft: "It’s your life, ruin it your own way“ - ein Satz, den sich "Taste of Honey“-Fan Morrissey für seinen Song "Alma Matters“ ausgeborgt hat.

Der Film spielt in Salford, einer Stadt, die genauso aussieht, wie man sich eine englische Stadt aus der Zeit des kitchen sink realism vorstellt. Alles ist ziemlich dreckig und deprimierend - ganz im Unterschied zum Film selbst. Das liegt natürlich an Jo, die in der Tat "an extraordinary person“ ist, wie sie stolz ausruft, nachdem sie entdeckt hat, dass sie schwanger ist. "We’re bloody marvelous“, antwortet ihr Geoffrey (Murray Melvin), ein junger Schwuler, mit dem sie sich zusammentut, nachdem die Mutter sie alleingelassen hat. Die lässige Unaufgeregtheit, mit der "A Taste of Honey“ all diese Themen verhandelt, macht ihn zu einem hell leuchtenden Stern am Himmel des 1960er-Jahre-Kinos, der am 20.2., um 18.30 Uhr noch einmal im Filmmuseum funkeln wird.


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