Waldheim heißt jetzt Wais

Feuilleton | Rezension: Klaus Nüchtern | aus FALTER 07/13 vom 13.02.2013

In "Der Kalte“ erzählt Robert Schindel auf 650 unlektorierten Seiten die Waldheim-Ära nach

Der historische Roman wird durch die Distanz des Autors zur beschriebenen Epoche bestimmt. Weil diese in der Regel so groß ist, dass Unterlassungsklagen von Thomas Cromwell oder Joseph und seinen Brüdern nicht zu gewärtigen sind, werden berühmte Personen im historischen Roman in der Regel mit Klarnamen genannt.

Schreibt der Autor indes über tatsächliche Begebenheiten aus der eigenen Lebenszeit, kann es sein, dass Jörg Haider auf einmal Jupp Toplitzer heißt. Das Genre Schlüsselroman ist allerdings heikel, weil es von einer doppelten Fragwürdigkeit begleitet wird - einer moralischen und einer ästhetischen. Erstere besteht in dem immunisierungstaktischen Kniff, jemanden meinen zu können, ohne ihn/sie nennen zu müssen; zweitere in dem Trick, mit billigen Wiedererkennungseffekten zu operieren.

Genau dies tut Robert Schindels Roman "Der Kalte“ auf exzessive Weise. Das ganze Personal der


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