Die erste Ehrenmordkomödie der Theatergeschichte

Feuilleton | Porträt: Wolfgang Kralicek | aus FALTER 07/13 vom 13.02.2013

Der syrische Kurde Ibrahim Amir kam vor elf Jahren nach Wien. Jetzt ist er angehender Arzt und erfolgreicher Theaterautor

Der "Ehrenmord“ ist eine radikale Form von Selbstjustiz. Wer durch Ehebruch die "Ehre“ der Familie befleckt hat, wird exekutiert; als Scharfrichter fungiert meist ein naher Verwandter.

In der Integrationsdebatte ist das barbarische Ritual ein Totschlagsargument für xenophobe Politiker. Im Theater wurde Ehrenmord zuletzt in Lessings Trauerspiel "Emilia Galotti“ thematisiert, in dem die Titelheldin von ihrem Vater erdolcht wird.

Auf die Idee aber, dass Ehrenmord auch Stoff für eine Komödie sein könnte, musste erst jemand kommen. Der junge Autor Ibrahim Amir hatte sie. Sein erstes Theaterstück "Habe die Ehre“ handelt von Ehrenmord und, ja: ist eine Komödie. So viel zu lachen hat man im Off-Theater selten. Kein Wunder, dass die Vorstellungen im Nestroyhof ausverkauft sind.

In einem Wohnzimmer, dem klassischen Boulevardschauplatz, tagt der Familienrat. Die Tochter


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