Die Söldner vom Kohlmarkt

Stadtleben | Beobachtung: Florian Klenk | aus FALTER 07/13 vom 13.02.2013

Immer mehr private Sicherheitsdienste verbreiten in der City ein Gefühl der Unsicherheit

Wien ist die sicherste Stadt Europas. Nirgendwo sonst sind die Furcht vor Kriminalität und Verbrechensrate niedriger. Jeder Ort dieser Stadt kann zu jeder Zeit gefahrlos betreten werden.

Beinahe könnte man diese Errungenschaft vergessen und zwar ausgerechnet dort, wo Wien besonders prunkvoll und sicher ist: am Graben und am Kohlmarkt. Schuld daran sind die dort ansässigen Juweliere und Schmuckhändler.

Schleichend haben sie immer mehr private Söldner im öffentlichen Raum postiert, damit diese von außen die Geschäfte der Betuchten bewachen. Kostümiert in schwarzen Uniformen, ausgestattet mit Faustfeuerwaffen und Funkgeräten.

Diese anmaßend wirkenden Securitys patrouillieren nun so wichtigtuerisch, als ob sie den US-Präsidenten beim Bummeln in Gaza schützen müssten. Doch für Sicherheit sorgen diese Glatzköpfe mit Spiegelbrillen nicht. Im Gegenteil, mit ihrer Inszenierung verbreiten sie ein ständiges Gefühl der Unsicherheit und den Eindruck, dass Ordnung in dieser Stadt nur noch mit privaten Armeen garantiert werden kann. Ein Tourist könnte meinen, jeden Tag werde am Graben ein Geschäft überfallen.

Bezirksvorsteherin Ursula Stenzl hat in den letzten Jahren viele Menschen aus der Wiener Innenstadt geekelt. Bettler, Drogenkranke, Straßenkünstler. Sie täte gut daran, endlich die Securitys ins Visier zu nehmen, ehe der erste Schuss fällt. Denn das Tragen von Waffen, Kampfstiefeln und Uniformen muss im öffentlichen Raum dem Staat vorbehalten sein.

Die Juweliere hingegen sollten entweder technisch aufrüsten (wie Banken). Oder ihre Wächter diskret in den Shops, also im privaten Raum postieren. Oder stört das etwa die noble Kundschaft?


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